Neutrophilen-Lymphozyten-Quotient (NLR)
ENNeutrophil-lymphocyte ratio (NLR)
Geprüft von Maurice Lichtenberg
Der Neutrophilen-Lymphozyten-Quotient (NLR) ergibt sich aus dem großen Blutbild als Quotient aus absoluter Neutrophilenzahl und absoluter Lymphozytenzahl; der Referenzbereich liegt bei gesunden Erwachsenen bei etwa 0,78–3,53 (Forget 2017). Er spiegelt die Balance zwischen dem angeborenen (neutrophilengetriebenen) und dem adaptiven (lymphozytengetriebenen) Arm des Immunsystems wider: Ein höherer NLR zeigt eine relative Dominanz proinflammatorischer angeborener Immunantworten und/oder eine Suppression der adaptiven Immunität an. Ein erhöhter NLR ist mit schlechterer Prognose bei zahlreichen Krebserkrankungen, höherer Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse, chronischer Nierenerkrankung und metabolischem Syndrom assoziiert und sagt in großen Bevölkerungskohorten die Gesamtmortalität unabhängig vorher. Physiologisch steigt der NLR stark bei akutem Stress, Infektionen oder Kortikosteroidgabe; dauerhaft erhöhte Ruhewerte sind ein Marker für chronisches Inflammaging und Immunoseneszenz und machen den NLR zu einem einfachen, kostenlosen Index aus Routinedaten.
Quellen
- Forget P, Khalifa C, Defour JP, Latinne D, Van Pel MC, De Kock M. (2017). What is the normal value of the neutrophil-to-lymphocyte ratio?. *BMC Research Notes*doi:10.1186/s13104-016-2335-5
- Templeton AJ, McNamara MG, Šeruga B, Vera-Badillo FE, Aneja P, Ocaña A, et al.. (2014). Prognostic Role of Neutrophil-to-Lymphocyte Ratio in Solid Tumors: A Systematic Review and Meta-Analysis. *Journal of the National Cancer Institute*doi:10.1093/jnci/dju124
