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Konzepte & Theorien

Erblichkeit der Lebensspanne

ENHeritability of lifespan

Geprüft von

Die Erblichkeit der Lebensspanne bezeichnet den Anteil der Varianz im Sterbealter, der auf additive genetische Unterschiede zwischen Individuen in einer definierten Population zurückgeführt werden kann. Klassische Zwillingsstudien schätzten die Erblichkeit im engen Sinne auf rund 20–30 % (Herskind et al. 1996); großangelegte genomische Analysen und eine Studie in Genetics (Ruby et al., 2018) auf Basis genealogischer Datenbanken deuteten auf noch niedrigere Werte hin, sobald eheliche Gattenwahl korrekt berücksichtigt wird, manche Schätzungen liegen für die reine Lebensspanne unter 10 %. Neuere Analysen (Shenhar et al. 2026, Science), die Störfaktoren besser berücksichtigen, schätzen die intrinsische Erblichkeit der menschlichen Lebensspanne auf etwa 50 %, was darauf hindeutet, dass frühere Schätzungen durch unzureichende Trennung intrinsischer und extrinsischer Mortalität nach unten verzerrt gewesen sein könnten. Selbst am oberen Ende erklären modifizierbare Faktoren, Lebensstil, Umwelt, stochastische Ereignisse, einen wesentlichen Anteil der Varianz. Spezifische genetische Varianten wie APOE ε4 und FOXO3A zeigen replizierte Assoziationen mit Mortalitätsrisiko bzw. außergewöhnlicher Langlebigkeit, auch wenn die individuellen Effektgrößen moderat bleiben.

Quellen

  1. Ruby JG, Wright KM, Rand KA, Kermany A, Noto K, Curtis D, et al.. (2018). Estimates of the heritability of human longevity are substantially inflated due to assortative mating. *Genetics*doi:10.1534/genetics.118.301613
  2. Herskind AM, McGue M, Holm NV, Sørensen TIA, Harvald B, Vaupel JW. (1996). The heritability of human longevity: A population-based study of 2872 Danish twin pairs born 1870–1900. *Human Genetics*doi:10.1007/BF02185763
  3. Shenhar B, et al.. (2026). Heritability of intrinsic human life span is about 50% when confounding factors are addressed. *Science*doi:10.1126/science.adz1187