Mikrobiom-Signatur von Hundertjährigen
ENCentenarian microbiome signature
Geprüft von Maurice Lichtenberg
Mehrere Studien zu extremer Langlebigkeit, insbesondere die von Biagi und Franceschi geleitete italienische Gruppe, die Semi-Superzentenare (105–109 Jahre) analysierte, sowie Sato und Kollegen bei japanischen Hundertjährigen, haben Mikrobiota-Merkmale identifiziert, die langlebige Personen von jüngeren oder älteren Kontrollpersonen unterscheiden. Konsistente Befunde umfassen eine relativ hohe Alpha-Diversität bis ins extreme Alter, eine Anreicherung von Christensenellaceae und Akkermansia muciniphila sowie ein charakteristisches sekundäres Gallensäureprofil mit erhöhten Konzentrationen von Isoallo-Lithocholsäure (Isoallo-LCA), produziert von Mitgliedern der Familie Odoribacteraceae, welche potent regulatorische T-Zellen induziert und systemische Entzündung dämpfen kann. Ob diese Signaturen kausale Beiträge zur Langlebigkeit sind, Begleiteffekte spezifischer Ernährung oder Genetik in langlebigen Populationen darstellen oder auf Überlebens-Bias zurückgehen, Personen, die 100+ Jahre erreichen, haben mutmaßlich bereits die Erkrankungen überstanden, die andere früher töten, lässt sich aus Querschnittsdaten nicht bestimmen. Die Befunde weisen auf Gallensäure-Mikrobiota-Crosstalk und Immunregulation als Langlebigkeits-assoziierte Wege hin, sollten aber noch nicht als handlungsleitende Ziele für die Allgemeinbevölkerung interpretiert werden.
Quellen
- Biagi E, Franceschi C, Rampelli S, Severgnini M, Ostan R, Turroni S, et al.. (2016). Gut microbiota and extreme longevity. *Current Biology*doi:10.1016/j.cub.2016.04.016
- Sato Y, Atarashi K, Plichta DR, et al.. (2021). Novel bile acid biosynthetic pathways are enriched in the microbiome of centenarians. *Nature*doi:10.1038/s41586-021-03832-5
